Dicht von Felsen eingeschlossen,

Wo die Jordansquellen gehn,

Wo die stillen Blumen sprossen,

Ist Johannes hier zu sehn.

 

Sinnend, in die Ferne zeigend

Sitzt er an der Quelle Rand

Und sein Engel lenket schweigend

Nach demselben Ziel die Hand.

 

Und wir sehen bei ihm knien,

Die er nur prophetisch schaut,

Jesum Christum und Marien,

Kirche, Bräutigam und Braut.

 

Jesus beugt sich schon entgegen

Händefaltend jener Flut,

Die auf unbereiten Wegen

Jetzt noch Sklavendienste tut.

 

Prüfend ihre Hand ausstrecket

Schon des heiligen Geistes Braut,

Ob, der sie zuerst erwecket,

Ob der Segen niedertaut.

 

Und der Felsen und die Blume

Und die Quelle ahnden still,

Daß zu seinem Heiligtume

Gott sie all gebrauchen will.

 

Auf den Fels die Kirche bauen,

Mit der Flut uns waschen rein,

Und der Lilie will vertrauen,

Wie er liebt das Jungfräulein.

 

Sieh, ein jedes tut das seine,

Und so laß uns Buße tun,

Bis zum Bau vereint wir Steine

All am siebten Tage ruhn.


Das Gedicht "La Vierge aux Rochers" stammt von   (1778 - 1842).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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