Aus den heidnischen Studentenjahren in Jena

 

Vieles gaben die Götter mir,

Und ich bete die sieben

Bitten ohne Entbehren,

Aber eines blieb mir versagt,

Eines nur zähmt mir

Mächtig den Übermut,

Bannt mich zur Erde

Nieder, den armen

Sterblichen Sohn.

 

Wenn ich die hellen,

Emsigen Tage,

Suchend durchirrte

Wenn ich die dunklen

Einsamen Nächte

Sinnend durchwachte,

Bleibe ich suchend,

Bleibe ich sinnend,

Nimmer ach finde ich

Nimmer ersinne ich

Wie ich erlangen mag

Die achte Bitte.

 

Bilden wohl kann ich manches,

Lieder dichten und singen,

Gerne auch leiht mir

Und meinem Werke

Die empfänglichen Sinne

Mein Liebchen.

 

Aber Ruhe, Ruhe

Wo wohnt sie

Ach Ruhe, die nimmer

Sich mir gesellet,

Ewiges Wühlen

Niederdringen mit Schwerkraft

Zur tiefen göttlichen Mitte,

Die alles festhält

An des Herzens

Pochender Werkstatt,

Ewiges Ringen,

Aufstreben mit Lichtes Leichte

Zur hohen göttlichen Oberfläche,

Die alles anschaut

Mit des Auges

Widerstrahlendem Spiegel.

Nach euch beiden unzertrennliche

Tiefe und Höhe

Nach dir Natur

Ringt zur Vollendung

Das arme Erdenkind.

 

Sechs sind Tage

Die Gott gebildet hat,

An seinem Wohnhaus,

Der verewigenden, ewigen

Wunderbaren Natur

Und an dem siebenten

Tage da ruhte er

Sieben sind Bitten

Die ich geflehet habe

In sieben Tagen,

An seines Hauses

Herrlicher Schwelle

Und alle sieben

Sind mir gewähret.

Aber die achte

Kann er nicht hören

Denn er ruhet

 

Herr so zürne nicht,

Daß ich Dir gleichen will

Daß ich mir bilden will

Wie du ein Wohnhaus

Der verewigenden, ewigen

Wunderbaren Kunst,

Und an dem achten

Tage dann ruhen.


Das Gedicht "Faselei" stammt von   (1778 - 1842).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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