Auf Dornen oder Rosen hingesunken? -
- Ob leiser Atem von den Lippen fließt -
- Ob ihr der Krampf den kleinen Mund verschließt -
- Kein Öl der Lampe? - oder keinen Funken? -
Der Jüngling - betend - tot - im Schlafe trunken?
- Ob er der Jungfrau höchste Gunst genießt -
Was ist′s? das der gefallne Becher gießt -
- Hat Gift, hat Wein, hat Balsam sie getrunken -
Und sieh! des Knaben Arme Flügel werden -
- Nein Mantelsfalten, - Leichentuches Falten
Um sie strahlt Heilgenschein - zerraufte Haare -
O deute die undeutlichen Geberden,
O laß des Zweifels schmerzliche Gewalten -
Enthüll, verhüll das Freudenbett - die Bahre.
Das Gedicht "Auf Dornen oder Rosen hingesunken..." stammt von Clemens Brentano (1778 - 1842).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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