Danke, danke, süße Feder!

Liebchen ist es, die dich schnitte,

Solche Huld geschieht nicht jeder,

Denn sie hat nach Kindersitte

Dich mit ihrem Mund benetzet,

Ihre süße linde Lippe,

Die noch nie ein Kind verletzet,

Küßte lindernd deine Nippe,

Und du trankst auch eine Zähre,

Die um mich sie hat vergossen,

Federchen nicht mehr begehre,

Du hast Lust und Leid genossen,

Schwarz will ich dich nie betinten,

Tinte ist so herb und bitter

Und ein Linderkuß gleicht linden

Rosen um ein Perlengitter

Komm und schreib:

Mit meinem Blute

Das die Linde hat versüßet,

O du liebe, süße, gute!

Sei vom treusten Herz gegrüßet

Das an deinem Herzen ruhte

Und gerungen und gebüßet

Und geküßt die scharfe Rute

Wie ein Kind, als sie erblühte

Unter deinen linden Händen,

O du Überfluß der Güte

Willst du nicht dein Werk vollenden?

Lasse doch die Dornenhiebe

Rosen deiner Seele tragen,

Daß mein Blut sich Ruh erschriebe:

Laß die linde Lippe sagen:

Ich vergebe, denn ich liebe.


Das Gedicht "An eine Feder" stammt von   (1778 - 1842).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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