Und wenn du wieder zu mir trätest

und weinend um Verzeihung bätest,

es wird doch nimmer, wie es war:

das Glück ist tot, das wir genossen,

die Blüte, die sich uns erschlossen,

ist nun verwelkt, für immerdar.

 

Mir würde stets vor Augen stehen,

wie ich so maßlos dich gesehen

im Zorn, dem jeder Grund gebrach -

und bei dem Kuß von deinem Munde

gedächt ich doch der bösen Stunde,

als er so bittre Worte sprach.

 

In jener Stunde sank für immer

der fromme Glaube mir in Trümmer,

daß du mein Bild im Herzen trugst,

daß ich dein tiefstes Sein besessen - - -

vergeben kann ich - nicht vergessen:

die Wunde brennt, die du mir schlugst.

 

Nein, geh: ich hab es überwunden,

den Frieden hab ich jetzt gefunden,

den deine Liebe mir nicht gab.

Geh hin, vor deinen Gott zu treten -

und wenn ich sterbe, magst du beten

und weinen über meinem Grab.


Das Gedicht "Vorbei" stammt von   (1860 - 1905).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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