Im dämmernden Tale,
da wallen und wogen,
die weiten Gefilde
allmählich verhüllend
mit bläulichem Duft,
die Spitzen der Berge,
der fernen, verschleiernd,
die Nebel des Abends,
die Schatten der Nacht.

Auf dunklem Gewässer
aufleuchten gleich Nixen
die Lilien, die bleichen,
und beugen und neigen
zum Wasser hernieder
und heben dann wieder,
mit blitzenden Tropfen,
mit Sternen besät,
in dunkelnde Lüfte
den duftenden Kelch.

Und fern aus dem Walde,
vom Rauschen des Nachtwinds
harmonisch getragen,
ertönet in süßen
in rührenden Weisen
der Nachtigall Sang
und haucht in den Frieden
der schlummernden Flur
hinschmelzende Sehnsucht.

Kein Menschenwort stört
die heilige Stille, - -
und ferne im Osten
erhebt sich die Sichel
des Mondes in silbernem
nächtlichen Glanz.
Die Nachtigall schweigt …
und träumerisch senken
die Lilien im Weiher,
berührt von dem Strahle
des Mondes, ihr Haupt.


Das Gedicht "Heilige Stille" stammt von   (1860 - 1905).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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