Mein Freund, o! thu dir nicht Gewalt;

Kennst du mich gleich nicht von Gestalt,

Deswegen fasse keine Grillen;

Den Kummer will ich dir bald stillen.

Ich setze schon die Feder an.

Mit dieser wird dir kund gethan:

Du sollst mein Bild in Reimen lesen,

Mein Ansehn und mein ganzes Wesen.

Ich bin nicht klein, ich bin nicht groß,

Ich geh bedeckt und niemals bloß.

Mit aufgeräumten frohen Minen

Such ich der ganzen Welt zu dienen.

Ich bin nicht stark; ich bin nicht schwach;

Mein Fuß ist schnell, kein Ungemach

Setzt meine Seel aus ihren Schranken;

Mein fester Sinn pflegt nicht zu wanken.

Ich liebe Kunst und Wissenschaft

Und lache wenn man sich vergafft.


Das Gedicht "Als sie ihr Bildniss schildern sollte" stammt von   (1695 - 1760).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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