Was überflüssig ist begehr ich nicht zu schreiben,

Doch ist nicht unser Hertz ein steter Uberfluß

Da eine Fruchtbarkeit der andern folgen muß,

Und was will in der Brust vor sich gefangen bleiben?

 

So bald man frölich ist, da wachsen und bekleiben

Die Rosen aus der Lust; kömmt Jammer und Verdruß,

So grünt der Nessel-Strauch, der gründet seinen Fuß

Und läst den scharffen Brand durch keine Macht vertreiben.

 

Will uns das Glücke wol, so prangt die reiffe Frucht

Des Trostes um und um; doch geht es in die Flucht:

So muß das trockne Land auch dürre Zweige tragen.

 

Deswegen halt ich nit des Hertzens Wachsthum auff,

Und laß in Freud und Leid mir selbst den freyen Lauff.

Ich mag mich als ein Mensch der Menschheit nicht entschlagen.


Das Gedicht "Sonnet über das Kupffer-Blatt" stammt von   (1642 - 1708).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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