oder: Die Zeichen

oder: Sophie und kein Ende

 

Ein Kindelein

im Windelein

heut macht es noch ins Bindelein;

doch um das Haus

o Graus o Graus

da blasen böse Windelein.

 

"Ein Mädelein"

rufts Hedelein

und kneift ihm in die Wädelein.

Doch an dem Haus

o Graus o Graus

da wackeln alle Lädelein.

 

Ein Eulelein

schiebts Mäulelein

vorbei am Fenstersäulelein.

Es ruft ins Haus

o Graus o Graus

hört ihr die Silbergäulelein.

 

Ein Würmelein

im Stürmelein

fliegt nieder von dem Türmelein.

Es ruft o Graus:

"Es regnet drauß

so gebt mir doch ein Schirmelein."

 

O Kindelein

im Windelein

heut machst du noch ins Bindelein.

Doch gehst du aus

im langen Flaus

wirst du ein Vagabündel sein.

 

(aus "Galgenlieder")


Das Gedicht "Das Geburtslied" stammt von   (1871 - 1914).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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