1.

Albanie/ gebrauche deiner zeit/

Und laß den liebes-lüsten freyen zügel/

Wenn uns der schnee der jahre hat beschneyt/

So schmeckt kein kuß/ der liebe wahres siegel/

Im grünen may grünt nur der bunte klee.

Albanie.

 

2.

Albanie/ der schönen augen licht/

Der leib/ und was auff den beliebten wangen/

Ist nicht vor dich/ vor uns nur zugericht/

Die äpffel/ so auff deinen brüsten prangen/

Sind unsre lust/ und süsse anmuths-see.

Albanie.

 

3.

Albanie/ was quälen wir uns viel/

Und züchtigen die nieren und die lenden?

Nur frisch gewagt das angenehme spiel/

Jedwedes glied ist ja gemacht zum wenden/

Und wendet doch die sonn sich in die höh.

Albanie.

 

4.

Albanie/ soll denn dein warmer schooß

So öd und wüst/ und unbebauet liegen?

Im paradieß da gieng man nackt und bloß/

Und durffte frey die liebes-äcker pflügen/

Welch menschen-satz macht uns diß neue weh?

Albanie.

 

5.

Albanie/ wer kan die süßigkeit

Der zwey vermischten geister recht entdecken?

Wenn lieb und lust ein essen uns bereit/

Das wiederholt am besten pflegt zu schmecken/

Wünscht nicht ein hertz/ daß es dabey vergeh?

Albanie.

 

6.

Albanie/ weil noch der wollust-thau

Die glieder netzt/ und das geblüte springet/

So laß doch zu/ daß auff der Venus-au

Ein brünstger geist dir kniend opffer bringet/

Daß er vor dir in voller Andacht steh.

Albanie.


Das Gedicht "Albanie gebrauche deiner zeit" stammt von (* 1616-12-25, † 1679-04-18).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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