Ein Autor schrieb sehr viele Bände

Und ward das Wunder seiner Zeit;

Der Journalisten güt′ge Hände

Verehrten ihm die Ewigkeit.

Er sah, vor seinem sanften Ende,

Fast alle Werke seiner Hände

Das sechste Mal schon aufgelegt

Und sich mit tiefgelehrtem Blicke

In einer spanischen Perücke

Vor jedes Titelblatt geprägt.

Er blieb vor Widersprechern sicher

Und schrieb bis an den Tod, da ihn der Tod entseelt;

Und das Verzeichnis seiner Bücher,

Die kleinen Schriften mitgezählt,

Nahm an dem Lebenslauf allein

Drei Bogen und drei Seiten ein.

 

Man las nach dieses Mannes Tode

Die Schriften mit Bedachtsamkeit;

Und seht, das Wunder seiner Zeit

Kam in zehn Jahren aus der Mode,

Und seine göttliche Methode

Hieß eine bange Trockenheit.

Der Mann war bloß berühmt gewesen,

Weil Stümper ihn gelobt, eh′ Kenner ihn gelesen.

 

Berühmt zu werden, ist nicht schwer,

Man darf nur viel für kleine Geister schreiben;

Doch bei der Nachwelt groß zu bleiben,

Dazu gehört noch etwas mehr

Als, seicht am Geist, in strenger Lehrart schreiben.


Das Gedicht "Der unsterbliche Autor" stammt von   (1715 - 1769).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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