Der Tod der Fliege heißt mich dichten;

Der Tod der Mücke heischt mein Lied.

Und kläglich will ich dir berichten,

Wie jene starb und die verschied.

 

Sie setzte sich, die junge Fliege,

Voll Mut auf einen Becher Wein;

Entschloß sich, that drei gute Züge

Und sank vor Lust ins Glas hinein.

 

Die Mücke sah die Freundin liegen:

"Dies Grabmal", sprach sie, "will ich scheun,

Am Lichte will ich mich vergnügen

Und nicht an einem Becher Wein."

 

Allein verblendet von dem Scheine,

Ging sie der Lust zu eifrig nach;

Verbrannte sich die kleinen Beine

Und starb nach einem kurzen Ach!

 

Ihr, die ihr, euren Trieb zu nähren,

In dem Vergnügen selbst verdarbt!

Ruht wohl und laßt zu euren Ehren

Mich sagen, daß ihr menschlich starbt.


Das Gedicht "Der Tod der Fliege und der Mücke" stammt von   (1715 - 1769).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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