O Jüngling, lern aus der Geschichte,

die dich vielleicht zu Tränen zwingt,

was für bejammernswerte Früchte

die Liebe zu den Schönen bringt!

 

Ein Beispiel wohlerzogner Jugend,

des alten Vaters Trost und Stab,

ein Jüngling, der durch frühe Tugend

zur größten Hoffnung Anlaß gab;

 

den zwang die Macht der schönen Triebe,

Climenen zärtlich nach zu gehn;

er seufzt, er bat um Gegenliebe;

allein vergebens war sein Flehn.

 

Fußfällig klagt er ihr sein Leiden.

Umsonst! Climenen heißt ihn fliehn.

Ja, schreit er, ja ich will dich meiden,

ich will mich ewig dir entziehn.

 

Er reißt den Degen aus der Scheide,

und - - o was kann verwegner sein!

Kurz, er besieht die Spitz und Schneide,

und steckt ihn langsam wieder ein.


Das Gedicht "Der Selbstmord" stammt von   (1715 - 1769).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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