Der Kuckuck sprach mit einem Star,

der aus der Stadt entflohen war.

"Was spricht man", fing er an zu schrein,

"was spricht man in der Stadt von unsern Melodein?

Was spricht man von der Nachtigall?"

"Die ganze Stadt lobt ihre Lieder." -

"Und von der Lerche?" rief er wieder.

"Die halbe Stadt lobt ihrer Stimme Schall."

"Und von der Amsel?" fuhr er fort.

"Auch diese lobt man hier und dort." -

"Ich muß dich doch noch etwas fragen:

Was", rief er, "spricht man denn von mir,"

"Das", sprach der Star, "das weiß ich nicht zu sagen;

denn keine Seele red′t von dir." -

"So will ich", fuhr er fort, "mich an dem Undank rächen

und ewig von mir selber sprechen."


Das Gedicht "Der Kuckuck" stammt von   (1715 - 1769).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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