Germania gab neunen ihrer Söhnen

Theils Mützen/ theils auch einen Hut/

Worunter fast ein König ruht.

Zwey aber ließ sie krönen/

Zwey Helden/ deren Tapferkeit

Und Tugend in Vollkommenheit/

Ja die ihr Kleinod waren.

Es hatten diß zwey Brüder kaum erfahren/

So trieb der Neid sie an/

Der Ehrgeitz/ der nicht ruhen kan/

Auf ihrem Haupt auch Cronen Gold zu tragen.

Das Werck war schwer;

Die Mutter hatte keine mehr.

Da hieß es denn: man muß was kühnes wagen.

Der Mutter setzten sie den Degen an das Hertz.

Die Crone wolten sie von ihrem Haupte reissen.

Hier rief Gerechtigkeit und Schmertz:

Ihr Freund′ und Söhne helft. Da gieng es an ein schmeissen

Die Helden schonten nicht vor sie ihr tapffres Blut.

Germania ließ drauf die Sieges-Fahne fliegen.

Die Brüder konten nicht der Freyheit Crone kriegen/

Verlohren aber noch so Mützen als den Hut.


Das Gedicht "Von zweyen vormals berühmten Chur-Fürsten" stammt von   (1680 - 1721).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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