Ein Baur geht in die Stadt/

Und weil er einen Bart von funfzig Ellen hat/

So läßt er sich balbieren.

Ein junger Kerl/ der nicht die Kunst versteht/

Kömt über ihn/ sein Messer zu probiren.

Er schiert/ daß Haar und Haut herunter geht.

Der Baur sang trefflich schön/

Und muste sich zum Gelde doch verstehn.

Er kam hiernechst in einen Streit.

Ein junger Advocat war hier nicht weit/

Sein Handwerck anzubieten.

Ob Kluge schon zu dem Vergleiche riethen:

So war der junge Rabulist

Doch so geschickt/ den Bauren zu betrügen.

Das Urtheil lief sehr schlecht; die Kunst war aus zulügen.

Ich weiß/ daß Hauß und Hoff darauf gegangen ist.

Der arme Baur verfiel in großen Kram/

Daß über ihn ein starckes Fieber kam.

Ein junger Artzt/ der kaum so viele Lachen

Als Krancken je gehabt/ gieng selbst zu ihm ins Hauß/

Er striche seine Pillen raus.

Das Fieber solte gleich vor seinem Pulver weichen.

Darneben war auch eine Gold-Tinctur/

Die aus des Krancken Beutel fuhr.

Die Artzeney schlug trefflich an/

So daß sich ietzt der Baur nicht mehr beklagen kan.

 

Diß dreyes kanst du nun an einem Weibe haben/

Die jung und feurig ist/ galant, verthut und spielt/

Die erstlich deine Krafft/ denn Gut und Ehre stiehlt/

Und alle Qvaal ersinnt/ dich zeitlich zu begraben.


Das Gedicht "Von einem unglücklichen Bauer" stammt von   (1680 - 1721).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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