Warum sind der Tränen

Unterm Monde so viel?

Und so manches Sehnen,

Das nicht laut sein will?

 

Nicht doch, lieben Brüder!

Ist das unser Mut?

Schlagt den Kummer nieder!

Es wird alles gut!

 

Aufgeschaut mit Freuden,

Himmelauf zum Herrn!

Seiner Kinder Leiden

Sieht er gar nicht gern.

 

Er will gern erfreuen,

Und erfreut so sehr;

Seine Hände streuen

Segens gnug umher.

 

Nur dies schwach Gemüte

Trägt nicht jedes Glück,

Stößt die reine Güte

Selbst von sich zurück.

 

Wie′s nun ist auf Erden,

Also sollts nicht sein.

Laßt uns besser werden;

Gleich wirds besser sein.

 

Der ist bis zum Grabe

Wohlberaten hie,

Welchem Gott die Gabe

Des Vertrauns verlieh.

 

Den macht das Getümmel

Dieser Welt nicht heiß,

Wer getrost zum Himmel

Aufzuschauen weiß.

 

Sind wir nicht vom Schlummer

Immer noch erwacht?

Leben und sein Kummer

Daurt nur eine Nacht!

 

Diese Nacht entfliehet,

Und der Tag bricht an,

Eh man sichs versiehet -

Dann ists wohlgetan.

 

Wer nur diesem Tage

Ruhig harren will,

Kömmt mit seiner Plage

Ganz gewiß ans Ziel.

 

Endlich ists errungen,

Endlich sind wir da!

Droben wird gesungen

Ein Viktoria!

 


Das Gedicht "Trost für mancherlei Tränen" stammt von   (1755 - 1821).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte