Preis ihm, der alle Dinge

Mit unerforschten Kraft erhält!

Schweb′ auf, mein Lied, und bringe

Das Opfer, das dem Herrn gefällt!

Es rauscht von tausend Zungen

Seun majestätisch Lob empor;

Von Engel anbetungen

Bis zu der Waldgesänge Chor.

 

Entzücken! Es erhebet

Ihn auch des Menschen heilig Lied.

Die Harfe Sions bebet,

Der Andacht helle Wange glüht!

Es steigt auf Cherubschwingen

Der Adlerkühne Psalm zum Thron,

Des Grabsgenossen singen

Der Welten Herrn, und seinen Sohn.

 

Als, noch ein todes Wesen,

Der Mensch vor seinem Bilder lag,

Noch nicht zur Kraft genesen,

Die seinen innern Adel sprach;

Als, ihren Herrn empfangend,

Die neue Erd′ in Feuer stand,

Und, auf der Wolke hangend,

Im Schaun der Seraph groß sich fand.

 

Da floß ein webend Feuer

Von Gott in den geformten Thron;

Da schlug sein Herz; und freier

Hub seine Stirne sich; und schon

Begann das erste Beben

Des Danks, des Psalmes ersten Laut,

Der Blick hinab ins Leben,

Der in Entzückungen nur schaut.

 

Und wenn einst deine Hülle,

Du Korn der Schnitterndte bricht,

Dann reifet in der Fülle

Der Geist, und steigt von Licht zu Licht.

In Engelfreuden trunken,

Gesättigt mit Unsterblichkeit,

Ist er in Gott versunken

Und ringt mit der Unendlichkeit.

 

Das tut der Herr! - wir schweigen;

Wir legen unsre Harfe hin! -

Hallelujah! wir neigen

Uns ihm, der liebte von Beginn.

Als Gott die Welten dachte,

Da dacht′ er der Geschöpfe Wohl;

Als Gott den Menschen machte,

Gab er den Wonnekelch ihm voll.

 

Heil uns! Wir sind erkohren

Zu Pflegern in dem Heiligtum!

Komm, werde bald gebohren,

Tag der Vollendung, unser Ruhm,

Der uns zu Priestern weihet! -

Die Flamme des Altars am Thron

Ist ewig ausgestreuet!

Preis unserm Gott, und seinem Sohn!


Das Gedicht "Hochgesang" stammt von   (1755 - 1821).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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