Zu dir, du Einzige, soll mein Ruf erschallen

Aus tiefster Nacht, darin mein Herz versank.

Hier ist die Luft wie Blei, die Erde krank,

Und Fluch und Schauder durch das Dunkel wallen.

 

Sechs Monde schwebt die Sonne kalt und fahl,

Sechs Monde sind von eisiger Nacht umsponnen,

Es grünt kein Baum, kein Strauch, es rauscht kein Bronnen,

Auf Erden ist kein Land so tot und kahl.

 

Und nichts auf dieser Erde weit und breit

Gleicht jener kalten Sonne Grausamkeit,

Dem Chaos dieser ungeheuren Nacht.

 

Das niedre Tier selbst meinen Neid entfacht,

Dem dumpf in Schlaf gewälzt der Tag vergeht,

Wenn langsam sich der Zeiten Spindel dreht.


Das Gedicht "De profundis clamavi" stammt von   (1821 - 1867).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte