Nie sind′s die zarten Schönen der Vignetten,

Ärmliche Zeugnisse aus kranker Zeit,

Die mit verschnürtem Fuss, die Hand an Kastagnetten,

Ein Herz wie meins erfüllt mit Freudigkeit.

 

Lasst Gavarni die blut- und seelenlosen

Lispelnden Schönen aus dem Hospital!

Nicht eine dieser schwanken, bleichen Rosen

Gleicht meinem glutenroten Ideal.

 

Nein, für mein abgrundtiefes Herz erwähle

Ich, Lady Macbeth, dich, gewaltige Seele,

Äschlos′ Traum, erblüht im nordischen Wind;

 

Und dich, erhabene Nacht, Buonarrotis Kind,

Die still in seltsam fremder Ruh′ entfaltet

Die Reize, für Titanenmund gestaltet.


Das Gedicht "Das Ideal" stammt von   (1821 - 1867).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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