Dein Haupt, dein Blick, dein Gang

Sind schön wie die schönsten Auen,

Wie frischer Wind im Blauen

Spielt Lachen dir um Augen, Mund und Wang

 

Der Gram, der dein Auge feuchtet,

An jener Kraft zerbricht,

Die hell wie klares Licht

Von deinen Armen, deinen Schultern leuchtet.

 

Die Farben in grellem Glanz,

Die dein Gewand bedecken,

In Dichters Geist erwecken.

Ein Bild von lieblich leichtem Blumentanz.

 

Die tollen Kleider passen

Zur Tollheit, deren Macht

Mich so zum Narren macht,

Dass ich dich glühend lieben muss und hassen.

 

Oft wenn im lichten Park

Ich schleppe meine Qualen,

Fühl′ ich die Sonnenstrahlen

Wie Hohn mir brennen tief in Hirn und Mark.

 

So schwer ins Herz mich trafen

Des Frühlings Glanz und Glut,

Dass ich in heisser Wut

Auf Blumen schlug, um die Natur zu strafen.

 

So möcht′ ich einst zur Nacht,

Wenn der Wollust Stunden klingen,

Zu deinen Schätzen dringen,

Ein Feigling zu dir kriechen stumm und sacht.

 

Dich züchtigen, du Gesunde,

Zerpressen deine Brust,

Ins blühende Fleisch voll Lust

Dir schlagen eine breite, tiefe Wunde.

 

Und – Wollust unerhört! –

Durch dieser Lippen Reine

Giess′ ich das süsse, feine,

Mein schändlich Gift, das, Schwester, dich zerstört.


Das Gedicht "An sie, die allzufroh" stammt von   (1821 - 1867).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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