Es sandte mir das Schicksal tiefen Schlaf.
Ich bin nicht tot, ich tauschte nur die Räume.
Ich leb in euch, ich geh in eure Träume,
da uns, die wir vereint, Verwandlung traf.

Ihr glaubt mich tot, doch dass die Welt ich tröste,
leb ich mit tausend Seelen dort, an diesem wunderbaren Ort,
im Herzen der Lieben. Nein, ich ging nicht fort,
Unsterblichkeit vom Tode mich erlöste.

Original

Qui vuol mie sorte c'anzi tempo i' dorma:
Nè son già morto: e ben c' albergo cangi,
resto in te vivo, c' or mi vedi e piangi;
se l'un nell' altro amante si trasforma.

Qui son morto creduto; e per conforto
del mondo vissi, e con mille alme in seno
di veri amanti: adunche, a venir meno,
per tormen' una sola non son morto.

Michelangelo Buonarroti, 1475-1564 - Rime 194

Anmerkung: Auch wenn es im Internet gegenteilige Behauptungen gibt, stammt das Gedicht nicht von Rainer Maria Rilke (vergleiche auch sein Gedicht Der Tod ist groß (Schlußstück)).
Die Verse stammen aus dem Sonett 194 der „Rime“ von Michelangelo Buonarroti, einem Gedicht, das seiner Geliebten Vittoria Colonna (oder ihrem Andenken nach ihrem Tod) gewidmet ist. Der Dichter behauptet, das Schicksal zwinge ihn zu einem vorzeitigen „Schlaf“ (Schmerz oder metaphorischer Tod), betont jedoch, dass er nicht gestorben sei, sondern trotz der Veränderung des Körpers („Behausung“) in seiner Geliebten weiterlebe.


Das Gedicht "Ich bin nicht tot, ich tauschte nur die Räume" stammt von   (1475 - 1564).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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