Vom Riesenfelsen,
Wolke, niederzieh!
Schlag dein Gewand
Um mich her und flieh!
Zu rauen Höhen
Trage mich empor,
Wohin des Menschen
Wort sich nie verlor.
Wie scheut die wunde
Seele diesen Laut!
Wie rollt mein Auge,
Wenn es Menschen schaut!
Doch Fels und Wolke
Sind mein stummer Trost;
Erhabne Lieder
Hör ich sturmumtost.
Beruhigt lieg ich,
Wo der Gießbach rauscht;
Ein Seelenkranker
So dem Freunde lauscht.
Von grüner Matte
Zeigt das goldne Licht
Des fernen Landes
Lächelnd Angesicht.
Das Gedicht "Wolke" stammt von Bruno Wille (1860 - 1928).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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