Sie sagen, du hast keine Seele,

Arm bleiche Birkenmaid.

Du kauerst starr und stumm

Auf düster struppiger Heid.

 

Du kauerst in der Öde,

Ein ausgestoßen Kind.

Dein Haargezweige zaust

Der raue Märzenwind.

 

Sein mürrisch Brausen wogt

Durch Heidekraut und Ginster.

Ins weite Nebelgrau

Pilgern Wolken finster.

 

Eine Krähe treibt im Sturm

Taumelig vorbei;

Heiser und erstickt

Ihr grimmer Klageschrei...

 

Kein Bettelkind, o Birke,

Ist also arm und bloß;

Es hat eine Seele, zu weinen -

Dich heißen sie seelenlos.

 

Und doch, in tiefer Öde

Spürst du die hohe Trauer

Als Seelenfrösteln süß,

Wollüstig kühlen Schauer.

 

Du kauerst starr und stumm

Auf düster struppiger Heid.

Sie sagen, du hast keine Seele,

Arm bleiche Birkenmaid.


Das Gedicht "Seelenlos" stammt von   (1860 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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