Waldfeuer drüben an der Bergeshalde,

Dein Wölkchen Rauch

Schwebt einsam nicht; aus meinem Tannenwalde

Steigt gleicher Hauch.

 

Ob dort und hier zwei treue Herzen flammen,

Getrennt durch Kluft und Strom/

Den Rauch, die beiden Säulen, schmilzt zusammen

Ein Himmelsdom.

 

Die Ferne hat ein Minnen uns beschieden,

Das nicht genießt,

Nur segnend grüßt/ und sanft zu Gottes Frieden

Hinüberfließt.

 

 

Und ob ich ewig dunkel bliebe

Wie traurig diese Wälder düstern!

Kein Sonnengold tief innen lacht;

Das tun die felsengrauen Rüstern,

Von Laubgeflechten überdacht.

 

Auch ich so trüb. Der Liebe Gnade

Darf strahlen nicht zu meinem Grund.

Die Sorg umdüstert meine Pfade,

Ich bin ein öder Dickichtschlund.

 

Doch duld ich lächelnd, heilge Sonne,

Daß sich dein Brautkuß mir verschließt/

Wenn draußen nur die goldne Wonne

Um tausend Sonnenkindlein fließt.

 

Laß lieben dich mit jener Liebe,

Die nicht Genuß, nur Andacht will.

Und ob ich ewig dunkel bliebe/

Von deinem Leuchten träum ich still.


Das Gedicht "Die beiden Waldfeuer" stammt von   (1860 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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