Was spornest du den Rappen?

Wohin die blinde Flucht?

Es narrt dich tollen Knappen

Ein Traum der Eifersucht./

 

»Als Geier möcht ich steigen,

Mein Flug ging′ hoch hinaus

Und sollte dann sich neigen

Zu meiner Gräfin Haus.

 

Ich schlüge mit dem Flügel

An ihre Kammertür,

Bis aufgesprengt der Riegel,

Und bleich sie träte für.

 

Bei ihrem stolzen Nacken

Wollt ich die Flechten fest

Mit starkem Schnabel packen:

Nun komm ins Geiernest!

 

Ich wollt aus scharfen Augen

Ihr spähen seelenwärts.

Fänd ich den Grund nicht taugen,

Zerhackt ich ihr das Herz.

 

Und aber aus den Lüften

Ich kreischend niederstieß′

Und wollte mich zerklüften

Am Wetterfahnenspieß.«


Das Gedicht "Des Knappen Eifersucht" stammt von   (1860 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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