Eilt die Sonne nieder zu dem Abend,

Löscht das kühle Blau in Purpurgluten,

Dämmrungsruhe trinken alle Gipfel.

 

Jauchzt die Flut hernieder silberschäumend,

Wallt gelassen nach verbrauster Jugend,

Wiegt der Sterne Bild im Wogenspiegel.

 

Hängt der Adler, ruhend hoch in Lüften,

Unbeweglich wie in tiefem Schlummer;

Regt kein Zweig sich, schweigen alle Winde.

 

Lächelnd mühelos in Götterrhythmen,

Wie den Nebel Himmelsglanz durchschreitet,

Schreitet Helios schwebend über Fluren.

 

Feucht vom Zaubertau der heil′gen Lippen

Strömt sein Lied den Geist von allen Geistern

Strömt die Kraft von allen Kräften nieder

 

In der Zeiten Schicksalsmelodien,

Die harmonisch ineinander spielen

Wie in Blumen hell und dunkle Farben.

 

Und verjüngter Weisheit frische Gipfel,

Hebt er aus dem Chaos alter Lügen

Aufwärts zu dem Geist der Ideale.

 

Wiegt dann sanft die Blumen an dem Ufer,

Die sein Lied von süßem Schlummer weckte,

Wieder durch ein süßes Lied in Schlummer.

 

Hätt ich nicht gesehen und gestaunet,

Hätt ich nicht dem Göttlichen gelauschet,

Und ich säh den heil′gen Glanz der Blumen,

 

Säh des frühen Morgens Lebensfülle,

Die Natur wie neugeboren atmet,

Wüßt ich doch, es ist kein Traum gewesen.


Das Gedicht "Eilt die Sonne..." stammt von   (1785 - 1859).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte