Climene / prüfe fleisch und blut /

Und straffe meine liebes-glut /

Nicht nach der schwäche deiner flammen;

Mein feuer kömmt aus Adams schooß /

Darein der himmel selber floß;

Wie kan dein menschlich herz doch meine glut verdammen.

 

Du bist / wie Eva / fleisch und bein /

Drum kanstu auch kein engel seyn /

Und ausser menschen dich verlieben /

Und das gesetze der natur /

Das mit dem athem in uns fuhr /

Hat auch in deine brust: seyd fruchtbar; eingeschrieben.

 

Wer sich in stiller glut verbrennt /

Und menschen-liebe sünde nennt /

Muß auch das paradieß verdammen;

Denn Evens weisse marmel-haut

War kaum aus knochen auffgebaut /

So fühlte Adams herz schon süsse liebes-flammen.

 

Climene / drum bedencke dich /

Du kanst hier ohne dornen-stich

Die schönsten zucker-rosen brechen.

Ein mensch muß wie die ärzte seyn /

Und eher nicht von todtes-pein /

Als von der lebens-krafft der starcken öle sprechen.

 

Schau / meine seele schmelzt in mir /

Und alle glieder folgen dir /

Gleich wie die blumen ihrer sonnen;

Bist du mir nun mein sonnen-schein /

So laß mich deine blume seyn /

Biß meine wurzel grund in deinem schooß gewonnen.

 

Benjamin Neukirch


Das Gedicht "prüfe fleisch und blut" stammt von   (1665 - 1729).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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