Wie artig trifft der mensch doch mit den blumen ein/

Die heute prächtig stehn und morgen doch verschwinden!

Da lust und traurigkeit in stetem wechsel seyn/

Und sich die farben nur auff kurtze zeit verbinden.

Was arbeit kost es nicht/ eh man das dürre feld

Kan zu der nutzbarkeit der blumen tüchtig machen?

Was mühe steht es nicht/ eh wir die blinde welt

Und ihre phantasey recht wissen auszulachen?

Und wenn die blumen nun in vollem purpur stehn/

Und hier die lilien/ dort silberne narcissen/

Und da die tulipen mit samen schwanger gehn/

So wird die gantze pracht durch wind und sturm zerrissen:

So wenn wir kaum den schaum der erden angeblickt/

Und erst die balsam-krafft der bücher angerochen/

So wird uns durch den tod der kluge kopff verrückt/

Und unser leben so wie blumen abgebrochen.

Drüm zieht ihr traurigen die müden thränen ein/

Weil unser wesen doch nicht eher kan bestehen/

Als biß wir endlich auch wie dürre blätter seyn/

Und unsre glieder so wie blumen untergehen.

Der todte tritt nunmehr in himmels-garten ein/

Und wie die blumen sich verdoppeln in der erden;

So wird er/ weil er nicht kan irrdisch fruchtbar seyn/

Im himmel allererst zur vollen blume werden.


Das Gedicht "Auff eben denselben" stammt von   (1665 - 1729).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte