Auff den tod Friedrich Wilhelms/ Churfürstens zu Brandenburg

 

Schau Deutschland! wo du kanst für blut und thränen sehn/

Es ist um deinen sohn und deine ruh geschehn!

Denn Friedrich Wilhelm fällt und du mit ihm darnieder.

Beym kriege ward er jung/ bey kriege stirbt er wieder.

Damahls zu rechter zwar/ itzt zu verkehrter zeit:

Denn wer vermisset wohl nicht seine tapfferkeit?

Was dir in tausenden kaum wieder wird gebohren/

Hast du in einem hier auff einen tag verlohren.

Er hat am ersten uns die augen auffgethan/

Was/ wenn die noth anbricht/ ein deutscher Churfürst kan.

Zwey reiche fiengen an für seiner macht zu wancken;

Zwey kronen haben ihm auch ihre ruh zu dancken;

Und zwey/ die alle welt zum morden auffgeweckt/

Hat er/ und zwar allein/ durch seinen muth erschreckt.

Viel freunde haben ihn/ er selten sie/ verlassen;

Die feinde konten ihn/ auch wenn er schlug/ nicht hassen;

Es kennt ihn Africa/ und Stambol glaubte gar/

Daß er was mehrers wär/ als er doch würcklich war;

Ja Franckreich wolte sich nicht eh' zu felde wagen/

Als biß es diesen held sah tod zu grabe tragen.

Jedoch verzweiffle nicht/ geliebtes vaterland!

Sein geist hat sich von dir nur darum abgewand/

Daß er/ wenn deine noth einst wird am höchsten steigen/

Sich wie Elias kan im sohne doppelt zeigen.


Das Gedicht "Auff den tod Friedrich Wilhelms" stammt von   (1665 - 1729).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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