Dein edler namens-tag zeigt heute seinen schein;

Mir aber meine pflicht/ dich würdig anzubinden;

Allein wo soll ich was bey meiner armuth finden/

Weil federn und papier für dich zu wenig seyn?

Mein wollen ist zwar groß/ doch mein vermögen klein/

Drum laß mich/ was ich kan/ dir zum geschencke winden:

Denn wer die liebe will auff gold und reimen gründen/

Schleust nur viel prahlerey und wenig freundschafft ein.

Ich biete dir mein hertz zum opffer selber an/

Mein hertze/ das dich zwar nicht/ schönste/ binden kan;

Weil du es schon vorlängst mit ketten angebunden/

Legst du es aber nur zu deinen füssen hin/

So glaube/ daß ich auch in ketten lustig bin;

Weil es nach so viel angst doch einen ruh-platz funden.


Das Gedicht "An Sylvien, ihren namens-tag" stammt von   (1665 - 1729).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte