An Herrn D. Wegnern in Frankfurt an der Oder/als demselben zwey wohlgerathene söhne starben

 

Mein Herr/ wann durch die last der auffgelegten bürde

Sein hertze thränen-saltz/ das saltz zu blute würde/

So könte dieses wohl ein zeugniß seiner pein/

Doch keine schilderey so grosser schmertzen seyn.

Denn wem ist nicht bekandt/ wie man um freunde trauret?

Wie lange der verlust von einem kinde dauret?

Zwey aber auff einmahl/ scheint warlich allzuviel/

Wenn sie des himmels schluß und sein verborgnes ziel

Aus unsern augen reist: Noch mehr/ wann ihre gaben

Als wunderwercke sich der welt gewiesen haben/

Und sie ein vater schon auff erden so erhöht/

Daß ihrer jugend baum in vollen früchten steht.

Doch sein gesetztes hertz/ das die gedult regieret/

Wird durch den donnerschlag des todtes zwar gerühret/

Nicht aber unterdrückt; denn seine seele denckt/

Daß Gott und himmel offt im giffte zucker schenckt.

Er hat mit saurer müh den einen lehren müssen/

Wie auch ein tauber kan der reden deutung wissen.

Den andern hat er gar durch fleiß dahin gebracht/

Daß er sich vor der zeit durch sprachen groß gemacht.

Allein der höchste will die lehre selbst vollenden/

Drum müssen beyde sich in seine schule wenden:

Er aber giebet sich mit grossem ruhme drein;

Weil hier auff erden doch nur lauter pfuscher seyn.


Das Gedicht "An Herrn D. Wegnern in Frankfurt an der Oder..." stammt von   (1665 - 1729).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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