Oft, wenn wir lang im Dunkel schweifen

Durch eine tiefverhüllte Nacht,

Dann werden uns die Purpurstreifen

Aurorens plötzlich angefacht.

 

Verzweifle keiner an den Wegen,

Die das Verhängnis mächtig geht,

Sie bringen uns dem Glück entgegen,

Das wunderbar am Ziele steht.

 

Und hat dich Mißgeschick betroffen,

Und hat dich mancher Schmerz verletzt,

Hör dennoch nimmer auf zu hoffen,

Und die Erfüllung naht zuletzt.

 

Es quälen uns so manche Plagen,

Eh′ uns der Götter Gunst beglückt,

Wir müssen manche Dornen tragen,

Eh′ uns der Kranz der Freude schmückt.

 

So wechselt′s in den ird′schen Dingen,

Das ist der Fluch der flücht′gen Zeit,

Und will ich morgen fröhlich singen,

So muß ich kläglich weinen heut.

 

Zwar kommt Erhörung oft geschritten

Mit ihrer himmlischen Gewalt,

Doch dann erst hört sie unsre Bitten,

Wenn unsre Bitten lang verhallt.


Das Gedicht "Lied" stammt von   (1796 - 1835).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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