Ich stellte den Stuhl nicht an die Wand,

Und wandte die Schuh am Bett nur halb,

Und nahm den Daumen nicht in die Hand,

Da kam des Nachts der böse Alp.

Er bohrte durch ein Wandloch sacht,

Ich dacht, und nahm es genau in acht:

»Sollst dich auf mir nicht wiegen,

Wart, wart, ich will dich kriegen!«

Und als er zur Wand hereingeschlüpft,

Und auf den Zehen leise ging,

Da war ich zum Loch an der Wand gehüpft

Und stopft es zu, da schrie das Ding

Mit seiner Stimm: »o Pein, o Pein,

Nun muß ich hier gefangen sein!

O weh, wie werden weinen

Zu Hause meine Kleinen! –

 

»O Menschlein, wimmert er bitterlich:

Hab sieben Kinderchen zu Haus,

Die müssen verhungern fürchterlich,

O Menschenkind, laß mich hinaus.«

Da sprach ich: »komm nicht wieder herein.«

Da sprach er: »nein, gewiß nicht, nein.«

Kaum daß ich ihm aufmachte . . .

Husch! war er hinaus, und lachte. –

 

Und wie er so lachte, ging ich nach,

Und als ich vor die Haustür kam,

War er schon unten an dem Bach:

Ich sah, wie er ein Ruder nahm,

Und lief hinab und hielt den Kahn:

Da winselt er von neuem dort

Und sah zuletzt mich drohend an.

Ich ließ den Kahn, – da glitt er fort! –

Mich überkam ein Grauen

Vor seinen Augenbrauen!


Das Gedicht "Alp" stammt von   (1799 - 1853).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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