Geliebter Freund! des höchsten Güte

Schenkt abermal ein neues Jahr,

Drum bringt dir mein erfreut Gemüthe

Die Pflicht ergebner Wünsche dar.

Wenn Zeiten, Tag und Jahre schwinden,

So grünet die Beständigkeit;

Man wird sie stets im Flore finden,

Sie ändert sich nicht mit der Zeit:

Wenn sich verwechseln Jahr und Wochen,

So bleibt sie doch ununterbrochen.

Wo Redlichkeit und Tugend blühen,

Da ist die Falschheit schon verbannt,

Es heißt vergebens ihr Bemühen,

Sie findet einen Gegenstand,

Der ihr von lauter Treue saget

Und alle Flatterei verjaget.

Ich kenne schon dein reines Wesen,

Du bist von zarter Kindheit an

Mein tugendhafter Freund gewesen,

Drum nimm die treuen Wünsche an,

Die zwar aus schlechter Feder fließen

Und sich in diese Zeilen schließen:

Der Geber aller guten Gaben,

Der Herr, von dessen Gütigkeit

Wir Seel- und Leibeswohlfahrt haben,

Der wolle bei erneuter Zeit

Dein Haupt mit Heil und Kraft belegen,

Er kröne dich mit reichen Seegen.

Er wende was dich kann betrüben,

Und schenke was dein Wohlseyn mehrt,

Er stürze die dein Unglück lieben;

Und wenn er meinen Wunsch erhört,

Laß er dich bald was Schönes wählen,

Und viel vergnügte Jahre zählen.


Das Gedicht "Neujahrswunsch an den Rinderhirten" stammt von   (1722 - 1791).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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