Nein länger kann ichs nicht ertragen,

Das ist zu viel, ist gar zu schwer,

Das müßte mich zu Boden schlagen,

Wenn ich die Stärke selber wär.

 

Ich habe die Geduld verloren,

Die große Leidenträgerin,

Die bei mir war, als ich gebohren,

Und auferzogen worden bin;

 

Die nimmer noch von mir gewichen

In mancher jämmerlichen Noth:

Ach die Geduld ist nun verblichen,

Der falsche Milon schlug sie todt.

 

Mit einem Herzverachtungsstreiche

Ward sie getroffen, und mein Herz

Weint Thränen über ihrer Leiche,

Erstarret unter seinem Schmerz.

 

Der stolze, spröde Milon sagte

Mir Veilchen zu, und täuschte mich

Viel Tage lang, so oft ich fragte,

Mit Aug und Munde kümmerlich.

 

Zuletzt kam er in meine Hütte,

Trug Veilchen bei sich, schenkte sie,

Ohn Ihren Wink, ohn ihre Bitte,

Der kleinen jungen Corally.

 

O du Verräther meiner Treue,

Verächter meiner Zärtlichkeit,

Ich übergebe dich der Reue,

Und mich der Leidvergessenheit.

 

Ich werde dich noch immer denken,

Ob du die Seele gleich verwarfst,

Von der du nie mit Goldgeschenken

Ein sanftes Lächeln kaufen darfst;

 

Auch werd ich stets dich sehen wollen,

Ob meine Lieder gleich hinfort

Von meiner Liebe schweigen sollen,

Von ihr hörst du das letzte Wort.


Das Gedicht "Elegie auf die Geduld" stammt von   (1722 - 1791).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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