Gott zeigt in seiner Schöpfung-Werke,

Sich über unserm Haupt, sich auf der Erde groß;

Er gab der Sonne Glut, er gab dem Löwen Stärke,

Und bildete das kleinste Moos,

Das an dem Harzberg wächst, fein zweigigt wie Cypresse,

Voll kleiner Knospen, untersprengt

Mit etwas Röthe, so, wie junger Mädchen Blässe

Im Antlitz sich mit roth vermengt,

Wenn sie der Jüngling angeblicket;

Die Flur, der Garten und der Wald

Und selbst die Hügel sind geschmücket,

Doch andre Blumen sterben bald,

Das fein gebaute Moos bleibt, wenn sie schon gestorben,

Tief unter Schnee noch unverdorben.

Wie ähnlich ist es mir! tief lag ich unter Gram

Viel schwere Jahre lang, und als mein Winter kam,

Da stand ich unverwelkt und fieng erst an zu grünen.

Ich muste, wie das Moos, dem Glück zum weichen Tritt,

Dem Thoren zur Verachtung dienen.

Einst sterb ich! Doch mein Lied geht nicht zum Grabe mit!


Das Gedicht "Das Harz-Moos" stammt von   (1722 - 1791).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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