In Schwiebus 1742

 

Vergnügte Einsamkeit! du bist die Ruhe,

So meine stille Brust sich längst erwählet,

Was ich hier unternehm, gedenk und thue,

Das wird der Weltcensur nicht aufgestellt;

Bin ich gleich stets allein und ganz verborgen,

So bleibt mein freier Sinn doch ungekränkt:

Ich lebe höchst content und ohne Sorgen,

Weil mir die Einsamkeit Vergnügen schenkt.

Es giebt verschiedene Art von Lustbarkeiten,

So die galante Welt höchst schätzbar preist;

Doch wenn mans überlegt sinds Eitelkeiten,

Drum sag ich noch einmal: mein freier Geist

Ehrt mit gelaßnem Muth die stillen Stunden,

So das Verhängniß mir hier zugezählt,

Es wird auch in der That sonst nichts gefunden,

Das mehr Vergnügen giebt und mir gefällt.

So magst du denn o Welt, das Eitle loben,

Geh mache dir Pläsir wie dirs beliebt,

Mir ist die größte Lust noch aufgehoben,

Die dort das höchste Gut den Seelen giebt.

Ach ich verlache nur das Weltgetümmel,

Indem mein Herze sich die Losung setzt:

Mein bester Theil mein Schatz ist noch im Himmel,

Und hier ist Einsamkeit was mich ergötzt.


Das Gedicht "Arie" stammt von   (1722 - 1791).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte