Zanken will ich nicht und klagen,

Aber eins muß ich dir sagen:

Du, der du mein Herz gewannst,

Milon, der du mich bewirthen

Durch ein freundlich Lächeln kannst,

Du verschmähtest jüngst die Myrthen,

Weil du dich nicht drauf besannst,

Daß dein Weigern mich betrübte,

Ach du wustest nicht, daß ich

In die Veilchen mich verliebte,

Welche zum Beneiden sich

Dir ans Herz gelegt befanden,

Tauschen wollt ich gern mit dir,

Und du hast mich nicht verstanden.

Diese Veilchen wären mir

Heiliger noch als die andern,

Die dein Diener mir gebracht;

Und sie sollten mit mir wandern

In des finstern Grabes Nacht.

O wie kannst du das verachten,

Was dir meine Liebe beut;

Kannst du nicht mein Herz betrachten

Bei der Blumen Kleinigkeit?

Pflücke du mir auf dem Platze,

 

Wo dein Fuß zu wandeln pflegt,

Blümchen, die der Grasraum trägt,

Und ich mache sie zum Schatze.

Gänseblümchen nähm ich an,

Und ein Zweigchen von den Bäumen,

Die ein jeder nutzen kann;

Wo in lügnerischen Träumen

Sich der arme Kriegesmann

Ausgestreckt am Tische weidet,

Und noch hungert, wenn er wacht,

Und den Reichen noch beneidet,

Der sich Promenaden macht. –

Solch ein Zweigchen, du mein Lieber!

Brich mir im Begegnen ab,

Und ich freue mich darüber,

Weil mirs Milon gab. –


Das Gedicht "An Milon" stammt von   (1722 - 1791).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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