Kleiner Knabe, großer Gott,

schönste Blume, weiß und rot,

von Maria neugeboren,

unter tausend auserkoren,

allerliebstes Jesulein,

lasse mich dein Diener sein!

 

Nimm mich an, geliebtes Kind,

und befiel mir nur geschwind,

rege deine süßen Lippen,

rufe mich zu deiner Krippen:

tu mir durch deinen holden Mund

deinen liebsten Willen kund.

 

Dir soll meine Seel′ allzeit

samt den Kräften sein bereit,

und mein Leib mit allen Sinnen

soll nichts ohne dich beginnen;

mein Gemüte soll an dich

denken jetzt und ewiglich.

 

Nimm mich an, o Jesu mein,

denn ich wünsche dein zu sein!

Dein verleib′ ich, weil ich lebe,

dein, wenn ich den Geist aufgebe.

Wer dir dient, du starker Held,

der beherrscht die ganze Welt.


Das Gedicht "An der Krippe" stammt von   (1624 - 1677).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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