Die ewig helle Schar will nun ihr Licht verschlissen,

Diane steht erblaßt; die Morgenröthe lacht

Den grauen Himmel an, der sanfte Wind erwacht

Und reizt das Federvolk, den neuen Tag zu grüßen.

 

Das Leben dieser Welt eilt schon die Welt zu küssen,

Und steckt sein Haupt empor, man sieht der Strahle Pracht

Nun blinken auf der See: O dreimal höchste Macht

Erleuchte den, der sich jetzt beugt vor deinen Füßen.

 

Vertreib die dicke Nacht, die meine Seel′ umgibt,

Die Schmerzen Finsternis, die Herz und Geist betrübt.

Erquicke mein Gemüth und stärke mein Vertrauen.

 

Gib, dass ich diesen Tag in deinem Dienst allein

Zubring′ und wenn mein End′ und jener Tag bricht ein,

Daß ich dich, meine Sonn, mein Licht, mög′ ewig schauen.


Das Gedicht "Morgen Sonnet" stammt von   (1616 - 1664).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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