XL.

 

Du fragst / wie Bibulus die Zeit zu Rom vertreibe?

Er sucht kein’ alte Schrifft / noch Bild / noch Buch / wie du

Er kümmert sich nicht vil / was man zu Hofe thu /

Er fragt nicht / ob der Bapst Bann oder Ablaß schreibe:

 

Er acht kein Vatican / da ich voll Wunder bleibe?

Er spricht Gesandten nicht / nicht Cardinälen zu:

Er gönn’t Gelehrten wol die hoch-gewündschte Ruh /

Du weißt / daß er sich nicht an Ketzermeister reibe.

 

Von Kirchen hält er nichts; von Gärten nicht zu vil

Er lacht wenn ich die Grufft der Märtrer suchen wil

Gutt ists / daß er sich nicht auff liben hat verlibet.

 

Kein Schauplatz steht ihm an. Kein singen geht ihm ein.

Er schläff’t wenn man dem Volck’ ein künstlich Feur-Werck gibet:

Was hält ihn denn zu Rom lang auff ? Albaner Wein.


Das Gedicht "An Cleandrum" stammt von   (1616 - 1664).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte