O Mädchen, das sie hier begraben,

Halb Jungfrau schon und doch halb Kind,

Einst konnte mich dein Anblick laben,

Wie eine Frühlingslandschaft lind.

 

Vorsprudelnd, wie der Bergquell, flogen

Einst in die Welt die Worte dein,

Demanten stäubend, Regenbogen!

Und doch so hell, gesund und rein!

 

Wie Rehlein wagten deine Blicke

Heran neugierig, arglos sich;

Scheu flohn, wie jene, sie zurücke,

Wenn nur von fern ein Laurer schlich.

 

Dir spielten, wogten die Gefühle,

Wie junge Saat, so leichtbewegt,

Die in sich schon der Keime viele

Zu Blüt′ und edlem Kerne trägt.

 

Umflog ein jungfräulich Erröten

Dir leis dein lieblich Angesicht,

Wie Frührot war′s auf Blumenbeeten,

Das einen sonn′gen Tag verspricht.

 

Und jauchztest du des Frohsinns Klänge,

War mir′s, als hört′ ich über mir

Heimzieh′nder Wandervögel Sänge

Von Südens schönem Lenzrevier.

 

Und ließest Liebeswort du gleiten

Zu deinem greisen Vater, lag

Im Ohre mir′s wie Glockenläuten

An einem schönen Gottestag.

 

Gedenk′ ich dein, seh′ ich noch immer

In eine Frühlingslandschaft mild,

Darauf der Abendröte Schimmer

Im Scheidegruße sanft verquillt.

 

Darüber Abendglockentöne,

Daß mir′s von Sternennächten ahnt;

Darüber segelnd goldne Schwäne

Nach einem fernen Südenland.


Das Gedicht "Erinnerung" stammt von   (1808 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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