Du schreibst rasch vor dich hin,
Aus Angst, den Verstand zu verlieren,
Schreibst, schreibst du vor dich hin
Auf Toilettepapieren.

Du weißt kaum noch, was du meinst.
Einst liebtest du schreiben und lesen.
Jetzt sagst du schon immer: einst.
Das ist noch nicht lange gewesen.

Erinnerung zerrt dich zurück,
Weil jetzt die Stunden stehen.
Doch siehst du zuviel Glück
Durch die Vergangenheit gehen.

Du schreibst vor lauter Angst,
Man nähme dir bald die Feder,
Denn wie du selbst sie verlangst,
So hungert nach ihr ein jeder.

Eine einzige geht hier herum,
Sie braucht manche Mühe und Finte.
Zerkaut ist der Halter rundum,
Verschimmelt wie Brot ist die Tinte.

Du stolperst übers Papier,
Um nur keine Zeit zu verlieren.
Das ist ein Ausflug von hier.
Sonst geht man wenig spazieren.

Du hältst überhaupt nicht mehr an,
Man kann auch das Schreiben verlernen -
Da siehst du jäh einen Mann
Mit dem Schreibzeug sich entfernen.

Deine Hände sind nun leer.
Statt zu schreiben, willst du nicht singen.
Für den Wächter war es nicht schwer,
Dich um das letzte zu bringen.

Dich selber holt er nicht.
Du bleibst, nickst, starre Pagode.
Dich selber holt er nicht
Zum Leben oder zum Tode.


Das Gedicht "Ein Gefangener I" stammt von   (1883 - 1945).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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