Der Tag ist futsch. Der Himmel ist ersoffen.
Wie falsche Perlen liegen kleine Stumpen
Zerhackten Lichts umher und machen offen
Ein wenig Straße, ein paar Häuserklumpen.

Verfault ist alles sonst und aufgefressen
Von schwarzem Nebel, der wie eine Mauer
Herunterfällt und morsch ist. Und im Pressen
Bröckelt wie Schutt der Regen - dichter - grauer -

Als wollte jeden Augenblick die ganze
Verseuchte Finsternis zusammensinken.
Wie eine seltsame, ertrunkne Pflanze
Unten im Sumpf siehst du ein Auto blinken.

Die ältsten Huren kommen angekrochen
Aus nassen Schatten - schwindsüchtige Kröten.
Dort schleicht eins. Dorten wird ein Schein erstochen.
Der Regensturz will alles übertöten…

Du aber wanderst durch die Wüsteneien.
Dein Kleid hängt schwer. Durchnäßt sind deine Schuhe.
Dein Auge ist verrückt von Gier und Schreien.
Und dieses treibt dich - und du hast nicht Ruhe:

Vielleicht erscheint inmitten düstrer Feuer
Der Teufel selbst in der Gestalt des Schweines.
Vielleicht geschieht etwas ganz ungeheuer
Blödsinniges, Brutales, Hundsgemeines.


Das Gedicht "Regennacht" stammt von   (1889 - 1914).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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