Zwei Frösche, deren Tümpel

die heiße Sommersonne ausgetrocknet hatte,

gingen auf die Wanderschaft.

Gegen Abend kamen sie in die Kammer eines Bauernhofs

und fanden dort eine große Schüssel Milch vor,

die zum Abrahmen aufgestellt worden war.

Sie hüpften sogleich hinein und ließen es sich schmecken.

 

Als sie ihren Durst gestillt hatten

und wieder ins Freie wollten, konnten sie es nicht:

die glatte Wand der Schüssel war nicht zu bezwingen,

und sie rutschten immer wieder in die Milch zurück.

 

Viele Stunden mühten sie sich nun vergeblich ab,

und ihre Schenkel wurden allmählich immer matter.

Da quakte der eine Frosch: »Alles Strampeln ist umsonst,

das Schicksal ist gegen uns, ich geb′s auf!«

Er machte keine Bewegung mehr,

glitt auf den Boden des Gefäßes und ertrank.

Sein Gefährte aber kämpfte verzweifelt weiter

bis tief in die Nacht hinein. Da fühlte er

den ersten festen Butterbrocken unter seinen Füßen,

er stieß sich mit letzter Kraft ab und war im Freien.


Das Gedicht "Die beiden Frösche" stammt von   (-0001 - -0001).





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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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