Auf einer Wiese weidete ein Esel,

der sich den Rücken wund geschunden hatte.

Dies sah ein Rabe, flog auf den Esel zu,

setzte sich auf dessen Rücken und fing an,

mit dem Schnabel in das rohe Fleisch zu picken.

 

Dies schmerzte den Esel sehr,

und obgleich er sich bemühte,

den lästigen Gast los zu werden, gelang es ihm nicht.

 

Wenige Schritte davon lag sein Hüter,

der mit einem Worte den Raben hätte vertreiben können.

Der aber ergötzte sich an den tollen

und possierlichen Sprüngen und Gesichtern,

welche der Esel von Schmerz getrieben machte,

und lachte laut dazu.

 

"Oh!" rief der Esel aus, "jetzt fühle ich

wirklich meine Schmerzen doppelt,

weil mich auch der verlacht,

der mir helfen könnte und sollte."

 

Statt Hilfe Hohn zum Schaden schmerzt doppelt.


Das Gedicht "Der Esel, der Rabe und der Hirt" stammt von   (-0001 - -0001).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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