Ein Adler stürzte sich hoch aus der Luft

auf ein Lamm, faßte es mit seinen Krallen

und trug es mit Leichtigkeit davon.

 

Eine Dohle hatte dies mit angesehen,

und da sie sich ebenso stark glaubte wie der Adler,

flog sie auf einen Widder zu.

Aber vergeblich bemühte sie sich, ihn fortzubringen,

sie verwickelte sich in die Wolle

und konnte nun auch nicht wieder davonfliegen.

 

Als der Hirte sie zappeln sah, haschte er sie,

beschnitt ihr die Flügel und nahm sie

seinen Kindern zum Spielzeug mit.

 

"Ei! Ei!" riefen hocherfreut die Knaben,

"wie nennt man diesen Vogel?" "Vor einer Stunde noch",

antwortete der Vater, "hielt er sich für einen Adler,

mußte aber bald einsehen, daß er nur eine elende Dohle ist."

 

Wage dich nicht an Dinge, die deine Kräfte übersteigen;

es gibt sonst zum Schaden noch Spott.


Das Gedicht "Der Adler und die Dohle" stammt von   (-0001 - -0001).





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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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