Die Zwitter und die Zitterer,

Die zischelten zusammen,

Ob′s schon zur Zeit sei, die Censur

Aus Deutschland zu verdammen.

 

Der Erste sagt′, es müsse gehn;

Der Zweite sprach: es macht sich;

Der Dritte setzt die Brille auf

Und hat erst noch bedacht sich.

 

Die Zwitter und die Zitterer

Sie disputirten leise;

Sie schloßen Thür und Fenster zu,

Und das war äußerst weise.

 

Der Vierte sprach: seid nicht zu schnell!

Hübsch vorsichtig, ihr Leutchen!

Es ist noch manches Hinderniß

Für solch Ziel zu beseit′gen!

 

Da dachten gleich die Zwitter nach

Den letzten Interdicten;

Die Zitt′rer aber sahen sich

Bedenklich an und nickten.

 

Der Fünfte sprach: ′s ist noch nicht Zeit;

Die Fürsten sind dagegen!

Die beiden Letzten wollten sich

Die Sach′ noch überlegen.

 

Sie zankten leis′ und zischelten,

Die Zitt′rer und die Zwitter;

Sie sahen scheu und duckten sich

Wie Schafe beim Gewitter.

 

Ein Secretair, der räuspert′ sich:

Da fuhr′n sie auseinander;

Sie hatten einen Schreck gekriegt,

Und zitterten selbander.

 

Die Zwitter und die Zitterer,

Sie schwiegen nicht sehr lange;

Doch ward bei dem Politisirn

Den Meisten angst und bange.

 

Sie zischelten und zankten leis′,

Auf daß es Niemand höre;

Ob die Gedankenfreiheit jetzt

Schon einzuführen wäre.


Das Gedicht "St!" stammt von   (1810 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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