So geht es in Schnützelputzfingen,

Wo die Schnecken Bücher verschlingen,

Wo die Ochsen die Hymne singen:

Da ist der Esel Minister geworden,

Da grasen auf der Wiese Heerden von Orden,

Da speist man gebratene Titel.

 

So geht es in Schnützelputzfingen,

Wo die Schnecken Bücher verschlingen,

Wo die Ochsen die Hymne singen:

Da geht der Marder als Pfaffe herum,

Und macht die Gänse und Hühner dumm,

Das Kameel ist da Deputirter.

 

So geht es in Schnützelputzfingen,

Wo die Schnecken Bücher verschlingen,

Wo die Ochsen die Hymne singen:

Da ist den Vögeln das Singen verboten,

Der Esel, der liefert ihnen die Noten,

Und darnach dürfen sie piepen.

 

So geht es in Schnützelputzfingen,

Wo die Schnecken Bücher verschlingen,

Wo die Ochsen die Hymne singen;

Da hat der Löwe alleine Verstand

Die Lerchen, die sind aus dem Reich′ verbannt,

Die Faulthiere sitzen im Staatsrath.

 

So geht es in Schnützelputzfingen,

Wo die Schnecken Bücher verschlingen,

Wo die Ochsen die Hymne singen:

Da hungern die Schafe und laßen sich scheeren,

Und erzeigen ihren Hütern viel Ehren,

Den Wölfen und den Hyänen.

 

So geht es in Schnützelputzfingen,

Wo die Schnecken Bücher verschlingen,

Wo die Ochsen die Hymne singen!

Ich wüßte der Dinge noch viele zu sagen,

Die zu sich in Schnützelputzfingen getragen,

Gar lächerlich über die Maaßen.


Das Gedicht "Quodlibet" stammt von   (1810 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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